Total verrückter Tag in Guatemala City

Diesmal möchte ich euch von meinem verrückten Tag in Guatemala City erzählen, an dem ein neues Kapitel in der Odyssee meines Motorradkaufs aufgeschlagen wurde. Ein jeder, der sich schon einmal ein Fahrzeug in Lateinamerika angeschafft hat, wird wissen wovon ich spreche. Denn der Kauf eines Fahrzeugs ist für einen Gringo kompliziert und zieht sich nicht selten hin wie Kaugummi.

Am frühen morgen fuhr ich mit James nach Guatemala City. Wir trafen uns zunächst mit Silvia, von der wir in einem riesigen Bürokomplex in Zone 4 der Hauptstadt Guatemalas erwartet wurden. Über einige Umwege war es uns möglich gewesen den Kontakt zu Silvia herzustellen. Sie spricht zum Glück gutes Englisch und war bereit, uns durch den administrativen Prozess durchzuschleusen.

Nachdem wir einige Papiere unterschrieben hatten wurde uns auf einmal Silvias „rechte Hand“ Kevin vorgestellt.  Silvia teilte uns mit, wir müßten nun gemeinsam mit Kevin in Zone 11 zur Aduana (Zoll) fahren. Eigentlich sollte Kevin mit dem Bus dort hin reisen. Dies hätte beim Verkehrsaufkommen in Guatemala City allerdings eine halbe Ewigkeit gedauert und somit beschlossen wir kurzer Hand Kevin mit aufs Motorrad zu nehmen. Wir fuhren also zu Dritt auf der Honda ans andere Ende der Stadt und dies war schon eine ganz schön verückte Geschichte 😉

. . . zu Dritt mit dem Motorrad durch Guatemala City . . .

. . . zu Dritt mit dem Motorrad durch Guatemala City . . .

Slapstick Einlage in Guatemala City

Aber es wurde noch besser. In Zone 11 angekommen hieß es mal wieder warten. Irgendwann ging es dann aber doch weiter und Kevin teilte uns plötzlich mit wir hätten ein „kleines Problem“. Kevins Englisch war nicht sehr gut, aber gut genug um dies zu verstehen: „We have a little Problem“.

Obwohl ich mit James bereits einen Kaufvertrag abgeschlossen hatte, wurde uns gesagt wir müßten erneut zum Notar, um einen weiteren Kontrakt abzuschließen. James und ich sahen uns ungläubig an und wir fragen „warum“? Aber der Zoll blieb stur und so fügten wir uns dem Schicksal.

Es hieß wir sollten zurück nach Antigua fahren und uns einen Notar suchen. Da wir dies aber unter allen umständen vermeiden wollten, pochten wir darauf, daß Kevin für uns einen Notar in Guatemala City sucht. Schließlich wurde uns Kevin zugewiesen und wir hatten auch so einiges an Geld für den administrativen Prozess auf den Tisch gelegt. Wir setzten uns schließlich durch.

Kevin viel auf einmal ein, daß es einen Anwalt im Bürogebäude in Zone 4 gebe. Somit hieß es erneut zu Dritt rauf aufs Bike und zurück durch die halbe Stadt nach Zone 4. Endlich beim Anwalt angekommen schüttelte der nur den Kopf und konnte es ebenso wie wir kaum verstehen, weshalb ein weiterer Kontrakt notwendig sei. Aber auch er war ja nur ein Rädchen im System und so legten wir 200 Quezales für den unnötigen Vertrag auf den Tisch.

Mittlerweile waren wir ziemlich gestresst vom ganzen hin und her und wir legten erst einmal die Mittagspause ein. Anschließend ging es wieder zu Dritt auf der Honda zurück nach Zone 11. Nach einer weiteren Wartezeit hieß es dann erneut wir hätten ein „kleines Problem“. Zum einen sollte James schriftlich begründen, warum er das Motorrad an mich verkaufen wolle. Außerdem müßten noch weitere Unterlagen kopiert werden und zu allem Überfluß gebe es noch Schwierigkeiten mit dem Verkaufpreis.

Unser Anwalt in Antigua hatte den Verkaufspreis im Vertrag zu niedrig angesetzt (warum auch immer) und dieser ist wichtig für die Höhe der zu zahlenden Steuern. Also wieder nichts wie rauf auf den Hobel und zum Copyshop. Dort angekommen warteten wir erneut eine gefühlte Ewigkeit auf unsere Kopien. Kevin formulierte derweil das benötigte Stück Papier für James mitten auf der Straße.

. . . so wird Papierkram in Guatemala erledigt :-) . . .

. . . so wird Papierkram in Guatemala erledigt 🙂 . . .

Nachdem wir die Kopien endlich in der Tasche hatten schwingen wir uns wieder aufs Motorrad. Nach einer 2-minütigen Fahrt viel Kevin dann plötzlich auf, daß der noch eine Kopie vergessen hatte, und somit ging es wieder zurück zum Copyshop. So langsam wurde die Sache ziemlich skurill. James und ich wußten gerade nicht, ob uns zum lachen oder weinen zu Mute sein sollte. Kevin war ein netter Kerl, aber gerade mal 20 Jahre jung. Und uns beschlich des Öfteren das Gefühl, daß er den Prozeß nicht so ganz im Griff hatte. Grundsätzlich hege ich ja keine Vorurteile gegen den Namen Kevin, aber . . .

Endlich ging es weiter und das Motorrad wurde im Zoll einer lachhaften zweiminütigen Inspektion unterzogen. Danach teilte uns Kevin den festgelegten Preis für das Motorrad fest. Wie dieser Preis zu Stande kam, war uns nicht bekannt. Und schließlich erhielten wir eine weitere Info. Der Zoll müsse den Preis erst noch „bestätigen“ und dies würde erneut 15 Tage in Anspruch nehmen. Aber mittlerweile konnte mich wirklich nichts mehr schocken. Wir waren einfach nur froh den Prozess für diesen Tag beendet zu haben und fuhren bei Dunkelheit zurück auf der Honda nach Antigua. What a day!!

Mehr Informationen/Reisetipps:

1775 hat Guatemala City Antigua als Hauptstadt Guatemalas aufgrund eines verheereden Erdbebens abgelöst. „Guate“, wie Guatemala City von den Einheimischen auch gerufen wird, ist in 25 Zonen unterteilt und beherbergt heute ca. 7 Millionen Einwohner.

Die Stadt ist ein wahrer Schmelztiegel  und bildet einen Mix aus allem. Großtadt mit Geschäften und Galerien im westlichen Style, aber auch teils großer Armut und Kriminalität. Guate ist beileibe keine Schönheit. Vielmehr ist es laut, dreckig und der Verkehr ist katastrophal.

Guatemala City verfügt über kein Bahnnetz und man steht man ständig im Stau. Die Abgase der alten Chickenbusse und Lkw’s halten hierbei den Sauerstoffanteil in der Luft gering. Aber vielleicht strahlt die Stadt für Westeuropäer dadurch auch schon wieder einen ganz speziellen Charme aus.

Mich hat man vor meinen Besuchen in Guatemala City vielfach vorgewarnt. Die Stadt sei sehr gefährlich und man müsse tierisch auf sich aufpassen. Nach meinen Erfahrungen kann man aber auch als Gringo dort recht gut durchkommen, wenn man der Stadt offen begegnet, gleichzeitig aber auch eine gewisse Vorsicht walten lässt. Gegenüber mir waren die Menschen freundlich und hilfsbereit. Zweimal wurde ich sogar kostenlos durch die Stadt transportiert und einmal ging ich fußwegs mit einem sehr netten Guatemalteken eine halbe Stunde zur passenden Busstation. Zur großen Liebe wird die Stadt für mich aber dennoch nicht werden.

Und, warst du auch schon mal in Guatemala City? Wie waren deine Erfahrungen mit der verrückten Stadt? Lass es mich wissen und schreibe einen Kommentar!

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