San Gil und Barichara

Im Anschluss an meine tolle Zeit an Kolumbiens Karibikküste zog ich nun weiter südlich in Richtung San Gil. Eine kurze Verabschiedung von Alexandra, dem netten Mädel aus dem Hostel Pura Vida, und schon gings weiter. Mein Tagesride führte mich weiter zur Stadt Aguachica. Ich übernachtete direkt am Highway 45, welcher Santa Marta mit Bogota verbindet.

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Route nach Aguachica

Canyon auf dem Weg nach Aguachica kolumbien

Canyon auf dem Weg nach Aguachica

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. . . hier macht Motorradfahren richtig Spaß . . .

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. . . wundervolles Kolumbien . . .

Während ich mein Zelt auf dem Parkplatz des Hotels aufbaute, bot mir der nette Hotel Besitzer eine Cabaña zum gleichen Preis an. Ohne groß nachzudenken willigte ich ein. Anstatt im Zelt übernachtete ich nun in einem Privatzimmer mit eigenem Bad, Air Conditioning und TV. Seit längerer Zeit schlief ich mal wieder im eigenen Bett. Muy Bien!

Eintausch meines Zeltplatzes gegen die klimatisierte Cabaña

Auf dem Weg nach San Gil

Am nächsten Morgen folgte ich der Route 45 weiter nach Bucaramanga, der Hauptstadt der Provinz Santander. Hier legte ich nur einen kurzen Stopp ein. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass Bucaramanga nochmal eine zentrale Rolle auf meiner Südamerika Tour einnehmen würde.

Aber zunächst ging es für mich weiter nach San Gil, einer Kleinstadt in den Bergen. Touristen finden den Weg vor allem aufgrund der zahlreichen Outdoor-Aktivitäten, wie Rafting oder Paragliding, hier her. Mittlerweile war es bereits dunkel. Die Nacht verbrachte ich auf einem kleinen Camping Platz einige Kilometer außerhalb der Stadt. Außer mir und den dort lebenden Fröschen und sonstigen Tierarten war hier niemand.

Zum Glück gab es in der Nähe noch ein kleines Kiosk, wo ich mich mit einigem Proviant versorgen konnte.  Dort traf ich auf ein paar Kolumbianer mittleren Alters, die schon sichtbar angetrunken waren. Die Atmosphäre war zunächst merklich angespannt. Die Herren konnten mich wohl nicht zuordnen und fragten sich, was mich um diese Uhrzeit wohl hier her verschlagen hatte. Einer der Männer fragte mich, ob ich denn keine Angst so ganz alleine hätte. So langsam wurde es mir auch selbst ein wenig mulmig. Ich dachte mir, wenn ich den Jungs ein paar Bierchen ausgebe, wird sich die Lage schon entspannen. Gesagt, getan. Nach den ersten gemeinsamen Cervezas waren wir auf einmal beste Freunde und plauderten über alles mögliche. So schnell kann's gehen in Kolumbien 😉

Am nächsten Morgen sattelte ich wieder auf fuhr weiter nach San Gil. Nachdem ich mir und meinem Motorrad in Taganga eine kleine Verschnaufpause gegönnt hatte, war ich nun seit 4 Tagen wieder dauerhaft unterwegs und es fühlte sich sehr gut an. Die abwechslungsreichen Tagestouren führten mich über die Anden Kolumbiens sowie weite Täler und kleine Dörfer, in denen man den Lebensrhythmus der Kolumbianer spüren konnte.

Motorrad fahren in Kolumbien ist Gänsehaut pur und macht wahnsinnigen Spaß. Allerdings muss man auch konzentriert fahren und auf der Hut sein. Die Straßen sind eher so lala und als Motorradfahrer hat man eben auch keine Knautschzonen. Zudem fahren vor allem die LKW's und Busse hier „harakiri“. Schon mehr als einmal musste ich mit einigen Ausweichmanövern sprichwörtlich mein Haut retten. Aber wie ihr sehen könnt, bin ich ja noch unter den Lebendigen 😉

San Gil Backpacking Südamerika

Campingplatz vor den Toren San Gil's

Motorradprobleme in San Gil

Als ich in San Gil ankam hatte ich plötzlich große Probleme mit meinem Motorrad. Das gute Teil streikte und der Motor sprang nicht mehr an. Dies ist der Worste Case für jeden Biker. Nach der Verdauung des ersten Schocks machte ich mir aber schon Gedanken über die Problemlösung. Auf längeren Reisen wird mal schließlich zum Meister im Bewältigen derartiger Situationen.

Auf einmal standen eine ganze Horde Kolumbianer um mich herum. Sie halfen mir dabei, dass Motorrad zum Honda Händler vor Ort zu transportieren. Leider war der einzige Mechaniker für mehrere Tage außer Haus, da dessen Frau Nachwuchs bekam. Ich machte mich schließlich auf die Suche nach einem Campingplatz in San Gil und landete im Hotel Campestre. Hier konnte ich mein Zelt aufschlagen und hatte zusätzlich noch einen Pool für 5 $ pro Tag.

Wie es der Zufall so wollte, lernte ich im Hotel Ivan kennen. Nach einigen Cervezas teilte er mir auf einmal mit, dass er einen Honda Händler in Bucaramanga kenne. Wir einigten uns darauf, mein Motorrad nach Bucaramanga zu transportieren und dies war für mich mit Sicherheit die beste Lösung. Ivan war ein ausgesprochen netter und zuvorkommender Mensch, der mir unbedingt aus der Patsche helfen wollte. Es sei gut für sein Karma, sagte er 😉 . Nach einigen Telefonaten mit dem Mechaniker Mauricio war die Sache geritzt.

Catedral de Santa Cruz in San Gil alexgehtaufreisen

Catedral de Santa Cruz in San Gil

Hotel Campestre San Gil Kolumbien

Hotel Campestre

Besuch des Öko-Parks Juan Curi

Um meinen Kopf wieder etwas frei zu bekommen und die Zeit bis zum Motorradtransport zu überbrücken, besuchte ich den Ökopark Juan Curi und die dortigen Wasserfälle. Der Park liegt ca. 30 Minuten außerhalb von San Gil. Aufgrund der hohen Temperaturen startete ich bereits früh morgens. Und das war auch gut so, denn zu den Cascadas ging es teils steil bergauf.

Am Ziel angekommen wurde ich mit dem Ausblick auf die 180 Meter hohen Wasserfälle belohnt. Ich nahm ein Bad im kühlen Nass und schlenderte danach ein wenig durch den Park. Als dann die meisten Touristen in den Park kamen, machte ich mich bereits wieder auf den Rückweg und verbrachte den Rest des Tages entspannt im Hostel Pool.

Am Abend machte ich dann noch einen Abstecher in „Gringo Mike's“ Restaurant. Wer in San Gil Station macht, sollte hier auf jeden Fall mal vorbei schauen, denn es gibt super leckere Burger. Mike ist aus den Staaten und hat rund 5 Jahre in San Gil gelebt. Mittlerweile ist er aber schon wieder „weiter gezogen“.

Juan Curi Park San Gil Kolumbien

Juan Curi Park

Eingang zum Juan Curi Park Kolumbien reiseblog südamerika

Eingang zum Juan Curi Park

Juan Curi Park Kolumbien Backpacking Südamerika

Tierwelt im Park

Wasserfälle Juan Curi Park Backpacking Südamerika

Ausblick auf die Wasserfälle

Juan Curi Naturpark Kolumbien

Grotte unter den Wasserfällen

Juan Curi Park Backpacking Kolumbien

Ausblick von Oben

Cascadas Juan Curi Colombia Backpacking South America

Oberkannte der Wasserfälle

Gringo Mike's Restaurant San Gil

Gringo Mike's Restaurant

Bucaramanga und Giron

Am nächsten Morgen kam Jhon mit seinem Pickup am Hostel vorbei, um mein Motorrad nach Bucaramanga zu transportieren. Der Pickup war schon ein wenig in die Jahre gekommen und ich musste auf der kurvenreichen Strecke einige Male die Luft anhalten. Für Jhon war die Tour kein großes Ding. Er nahm das Ganze mit kolumbianischer Gelassenheit und war im übrigen super freundlich.

In Bucaramanga angekommen luden wir das Motorrad vom Pickup herunter. Nun lernte ich auch den Mechaniker Mauricio kennen, der mit in San Gil von Ivan empfohlen wurde. Mauricio war sehr nett und machte einen kompetenten Eindruck. Es dauerte eine Weile bis zur Diagnose und ich mietete mich zwischenzeitlich ins Hotel Almirante ein. Trotz des günstigen Preises hatte ich ein Privatzimmer mit TV und Klimaanlage. Was für ein „Luxus“. Ich war ziemlich geschafft vom Tag und schlief im Hotelzimmer prompt ein.

Am nächsten Tag teilte mir Mauricio mit, dass die Steuerkette für den Motor und einige Ventile ausgetauscht werden müssen. Bis zur endgültigen Instandsetzung des Motorrades dauerte es einige Tage. Daher stellte ich mir ein kleines Sightseeing Programm auf. Ich besichtigte das Dorf Giron. Von der Großstadt Bucaramanga aus erreicht man den kleinen Ort in einer halben Stunde per Bus. Giron ist ein Stück des ursprünglichen Kolumbien. Man hat hier das Gefühl, als sei die Zeit stehen geblieben. Alles ist sehr liebevoll gestaltet und es gibt eine schöne Kathedrale und einige Plazas.

Zurück in Bucaramanga traf ich mich Abends noch mit Rudolfo, den ich einige Tage zuvor beim Mittagessen in einem Restaurant kennen lernte. Ja ja, so läuft das eben in Kolumbien. Man lernt ruckzuck neue Leute kennen und verbringt ganz entspannt Zeit miteinander. Rudolfo war ein wirklich netter Mensch. Bei einem leckeren Blaubeer-Shake tauschten wir uns aus und schlenderten im Anschluss noch eine Weile durch Bucaramanga. Von einer Freundin Rudolfo's erhielt ich dann noch eine äußerst schmackhafte Pilzsuppe serviert. Mmhhh, lecker!

Hotel Almirante Bucaramanga Kolumbien Backpacking Südamerika

Hotel Almirante in Bucaramanga

Basilica Menor Giron Kolumbien

Basilica Menor

Basilica Menor Giron Kolumbien

Schöne Basilica in Giron

Abstecher nach Barichara

Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Kleinbus zurück nach San Gil. Einerseits war dies einfach notwenig, da ich dort meinen Motorradhelm vergessen hatte. Zum anderen wollte ich aber auch der Kleinstadt Barichara noch einen Besuch abstatten. Es liegt ein wenig außerhalb von San Gil in den Bergen. Ähnlich wie in Giron herrscht in Barichara eine sehr entspannte Atmosphäre. Kleine Plätze mit ihren Gassen und nette Cafés machen das koloniale Dorf zu einem wunderbaren Ort.

Nach ein paar schönen Stunden ging es wieder zurück nach San Gil. Ich  checkte erneut im Hotel Campestre ein. Die Dame an der Rezeption hatte ich bisher noch nicht gesehen und sie wollte mich auch nicht campen lassen. Und schon gar nicht für 4 $ pro Nacht. Ich erklärte ihr, dass ich hier bereits einige Tage zuvor für den gleichen Preis gezeltet hatte und außerdem trage das Hotel den Namen „Campestre“. Doch dann kamen auf einmal die anderen Rezeptionistinnen, die ich bereits von meiner ersten Hotel Buchung kannte. Die Sache mit dem Campen war nun rasch geklärt 😉

Alle waren froh mich wieder zu sehen und erkundigten sich nach dem Zustand meines Motorrades. Und dann traf ich auch William wieder, den coolen Restaurantbesitzer von nebenan. Ich ging gleich mit ihm rüber, denn ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen und einen Bärenhunger. Nach dem Essen tauschte ich mich mit William über die Erfahrungen der letzten Tage aus.

Iglesia de la Inmaculada Concepción Barichara

Iglesia de la Inmaculada Concepción

Iglesia de la Inmaculada Concepción Barichara

Blick auf den Plaza

Barichara Kolumbien Backpacking Südamerika

Wundervolles Barichara

Kolumbien Barichara Backpacking Südamerika

. . . das ursprüngliche Kolumbien . . .

Barichara Kolumbien Backpacking Südamerika

Auf dem Plaza in Barichara

Barichara Kolumbien alexgehtaufreisen.de

Barichara

San Gil Kolumbien Backpacking südamerika

Gracias William

Am nächsten Morgen fuhr ich wieder früh zurück nach Bucaramanga, wo ich mein instand gesetztes Motorrad abholen konnte. Es kam zu einer herzlichen Verabschiedung von Ivan und Mauricio. Mein geliebtes Bike lief wieder rund und ich konnte meine Motorrad Tour durch Kolumbien endlich fortsetzen. Und die Moral der Geschichte lautete einmal mehr:

"Wenn du nicht mehr weiter weist und du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her!"

Diesmal waren es zig Lichtleins, die von allen Seiten kamen! Sicherlich war das erste Gefühl mit dem Motorrad gestrandet zu sein nicht besonders schön. Im Zuge der ganzen Geschichte habe ich aber so viele liebenswerte und hilfsbereite Menschen kennen gelernt, die mir ansonsten wohl niemals über den Weg gelaufen wären. Dies wiegt den Motorschaden mehr als auf.

Und ich kann einmal mehr betonen, dass man sowohl in Zentralamerika als auch in Südamerika keine Angst vor ungewohnten Situationen haben muss. Die Locals sind sehr hilfsbereit und kreativ im Problemlösen. Man muss nur offen sein, darf keine Scheu haben und bereit sein, die Hilfe anzunehmen. Dann läuft es quasi wie von selbst.

Was mir besonders gut gefallen hat war die Tatsache, dass die Menschen schwierige Situationen sehr stark als Herausforderung und weniger als Problem begreifen. Everything's possible! OK, nun geht es also weiter mit meinem geliebten Zweirad und hoffentlich noch sehr lange. Go, Johnny, go!

Bucaramanga Kolumbien alexgehtaufreisen

Abschiedsfoto mit Ivan und Mauricio

Mehr Informationen/Reisetipps:

Wer von Santa Marta aus in Richtung Süden nach San Gil aufbricht, der wird unweigerlich der Route 45 folgen. Die Strecke geht mitten durch die Anden und passiert viele kleine Dörfer. Hier schlägt der Puls des ursprünglichen Kolumbiens.

Alle diejenigen, die mit ihrem eigenen Fahrzeug durch Kolumbien unterwegs sind, werden hier viel Freude haben. Trotz meines Motorschadens war das Motorradfahren in Kolumbien mit einem unglaublichen Freiheitsgefühl verbunden. Außerdem sind die Kolumbianer sehr freundliche und positiv eingestellten Menschen.

Auf dem Weg nach San Gil passiert man die Großstadt Bucaramanga. Die Stadt selber ist wenig sehenswert. Für alle, die dennoch einen Stopp hier einlegen, empfiehlt sich ein Besuch des kleinen Dorfes Giron. Es liegt ungefähr eine halbe Stunde außerhalb von Bucaramanga und ist auch per Bus gut erreichbar.

In der Kleinstadt San Gil kann man problemlos einige Tage verbringen. San Gil ist sehr beliebt bei Outdoor-Fans. Die Agenturen vor Ort bieten zahlreiche Abenteuer-Touren an. Vor allem die Rafting Touren auf einem der reißenden Flüsse rund um San Gil stehen bei den Touristen hoch im Kurs.

Wer es etwas gemütlicher mag, dem empfehle ich einen Ausflug zum Öko Park „Juan Curi“. Den Park erreicht man von San Gil problemlos mit dem Bus in einer guten halben Stunde. Juan Curi ist Paradies für Naturliebhaber, aber auch für die zahlreichen Tierarten im Öko Park. Das Highlight sind die 180 Meter hohen Wasserfälle. Ich empfehle die Strecke morgens zu gehen, denn dann ist es noch nicht ganz so heiß und zudem entflieht man dem Großteil der Touristen.

Ein weiteres Highlight in der Nähe von San Gil ist das kleine Dorf Barichara. Mit seinem kolonialen Baustil versprüht das Dorf einen ganz besonderen Charme. Nicht umsonst gilt Barichara als eines der schönsten Dörfer in ganz Kolumbien. Für wenige Peso fahren regelmäßig Busse von San Gil aus nach Barichara.

Warst du auch schon mal in San Gil, Barichara & Co.? Wie waren deine Erfahrungen? Lass es mich wissen und schreibe einen Kommentar!

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